Sonntag, 15. März 2026

Lavadouros Públicos

Öffentliche Waschplätze, die Lavadouros Públicos, waren über mehr als ein Jahrhundert eine essenzielle Infrastruktur auf Madeira – sowohl für die Hygiene als auch für das soziale Leben der Gemeinden.

Ein großer Teil der historischen Fotos mit Waschplätzen und Waschfrauen befindet sich im Archiv des Museu de Fotografia da Madeira - Atelier Vicente's in Funchal.

Im 19. Jahrhundert besaßen die meisten Häuser auf Madeira keinen eigenen Wasseranschluss. Wasser wurde über Quellen, Brunnen und das bekannte Bewässerungssystem der Levadas verteilt. Da Wäsche sehr viel Wasser benötigte, richteten Gemeinden gemeinschaftliche Waschplätze meist in der Nähe von Quellen oder Levadas ein.

Die Lavadouros waren nicht nur funktional – sie waren wichtige soziale Orte, besonders für Frauen. Dort wurden Neuigkeiten ausgetauscht, Nachbarschaftsbeziehungen gepflegt, Konflikte diskutiert, lokale Geschichten weitergegeben. Sie waren sie ein zentraler Treffpunkt, vergleichbar mit einem Dorfplatz.

Mit der Einführung von Leitungswasser in die Häuser, der Verbreitung von Waschmaschinen und zunehmender Urbanisierung wurden die öffentlichen Waschplätze überflüssig. Viele wurden stillgelegt und verfallen gelassen.


Lavadouro Público in der Ribeira Seca oberhalb von Paúl do Mar - Caminho Real 23

Lavadouro Público an der Levada dos Piornais - Funchal


In mehreren Gemeinden wurden die Lavadouros Públicos inzwischen renoviert, weil sie als Teil des kulturellen Erbes gelten. Sie dienen heute als kulturelle Denkmäler oder sind kleine Freilichtmuseen lokaler Alltagskultur. 


restaurierter Waschplatz in Ponta Delgada - Caminho Real 23


restaurierter Waschplatz in Prazeres - Caminho Real 23

Raposeira

Donnerstag, 29. Januar 2026

Capela de Nossa Senhora da Vida

Ein Kleinod droht verloren zu gehen. Die Kapelle in Fajã do Mar, die wir besuchen konnten, wenn wir von Arco da Calheta nach Madalena do Mar auf dem Caminho Real 23 unterwegs waren, droht einzustürzen. Die Warnungen, die seit 10 Jahren an die verantwortlichen Stellen gerichtet waren, blieben ungehört. Die aufwändigen Hangsicherungen zum Meer hin beschränkten sich ausschließlich auf das Nebengebäude. Und so konnte sich die Erosion fortsetzen, bis vor wenigen Tagen der kleine Kirchhof wegsackte und das Gebäude nun ohne jeden Schutz da steht und ins Meer abzurutschen droht. 

Die Kapelle Nossa Senhora da Vida  hat eine lange Geschichte – sie ist historisch eng mit dem lokalen Fischereileben und der maritimen Frömmigkeit verbunden. Sie wurde 1663 von Dona Inês Teixeira in manieristischem Stil gegründet und mit einem einfachen, länglichen Grundriss und einer Sakristei an der rechten Seite gebaut. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde sie schon einmal neu aufgebaut und 1986 erneut restauriert.

1997 wurde sie von den Besitzern an die Regionale Autonome Regierung von Madeira übertragen.

In früheren Jahrhunderten war sie ein wichtiger Wallfahrtsort für Seefahrer, Fischer und Bootsmänner. Sie kamen hierher, um Schutz und Beistand für die Gefahren auf See zu erbitten.

Die Kapelle hat eine einzigartige Lage und ist nicht nur ein historisches, religiöses Gebäude, sondern auch ein Ausdruck der engen Verbindung zwischen Kultur, Landschaft und dem Leben am Meer auf Madeira.


Februar 2024


Wenige Tage vor dem Abbruch wollten wir die Kapelle wieder besuchen, da war der Zugang bereits gesperrt. Sie war renoviert worden, aber nur mit Farbe. Für einen stabilen Untergrund hatte niemand gesorgt.